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Raiffeisenbank eG
BLZ: 37069412
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Chronik der Raiffeisenbank eG

 

Die nachfolgende Chronik wurde der Jubiläumsfestschrift anlässlich des 100-jährigen Bestehens der Bank aus dem Jahre 1995 entnommen.
Der Beginn 
"Was dem Einzelnen nicht möglich ist, das vermögen Viele. Das vermag eine Anzahl Bewohner einer Gemeinde oder eines Bezirks..."

Diese Erkenntnis war gleichzeitig Programm des Genossenschafsgründers und engagierten Sozialreformers Friedrich Wilhelm Raiffeisen.

Es waren die Idee und die Umsetzung des Gedankens der Hilfe zur Selbsthilfe, die Raiffeisen den Wirren und Problemen einer Zeit des wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Umbruchs entgegen hielt. Mit seinem praktischen Wirken hat dieser Mann nicht nur dem Mittelstand des 19. Jahrhunderts eine Grundlage für eine gesunde Entwicklung gegeben, sondern einen Grundstein für freie und demokratische Genossenschaften gelegt, die mehr als 100 Jahre nach Raiffeisens Tod so modern wie damals und deren Rechtsform als leistungsfähiges, dezentrales, wirtschaftliches Organisationsprinzip aktueller denn je sind. 

Der Mensch 
Friedrich Wilhelm Raiffeisen wurde am 30.03.1818 in Hamm/Sieg (Westerwald) geboren. Er war das siebente von neun Geschwistern. Der Vater Gottfried Friedrich Raiffeisen war Landwirt und zeitweilig auch Bürgermeister in Hamm.
Der junge Raiffeisen wählte als Beruf die militärische Laufbahn; Sie führte ihn nach Köln, Koblenz und Sayn. Ein beginnendes Augenleiden zwang ihn 1843, den Militärdienst aufzugeben und in den zivilen Verwaltungsdienst überzuwechseln. Nach kurzer Ausbildung wurde er 1845 kommissarischer Bürgermeister der 25 Gemeinden umfassenden Amtsbürgermeisterei Weyerbusch im Westerwald. Aufgrund seiner Leistungen wurde Raiffeisen 1848 Bürgermeister in der größeren Gemeinde Flammersfeld und 1852 in Heddesdorf bei Neuwied.

Raiffeisens Frau starb 1863 noch langem Herzleiden im Alter von 36 Jahren. Bei einem Krankenbesuch während einer Typhusepidemie infizierte sich Raiffeisen. Als Folge verschlimmerte sich sein Augenleiden so sehr, dass er Ende 1865 im Alter von erst 47 Jahren in den Ruhestand treten musste.

Die geringe Pension reichte nicht für den Lebensunterhalt der Familie aus. Raiffeisen versuchte daher, zunächst mit einer kleinen Zigarrenfabrik, dann mit einer Weinhandlung, zusätzliche Einkünfte zu erzielen.

Am 11.03.1888, kurz vor der Vollendung seines 70. Lebensjahres, starb Friedrich Wilhelm Raiffeisen in Neuwied-Heddesdorf.

Die Idee 
Die Bauernbefreiung und die beginnende Industrialisierung des 19. Jahrhunderts brachten insbesondere den Menschen in den ländlichen Gebieten eine vorher nie dagewesene Freizügigkeit und Eigenständigkeit. Da sie in wirtschaftlichen Dingen völlig unerfahren waren, gerieten sie bald in die Hände skrupelloser Wucherer, wurden übermäßig verschuldet, verloren dadurch ihren Besitz und gerieten in Armut.

Veranlasst durch die Not der armen Bevölkerung gründete Friedrich Wilhelm Raiffeisen als junger Bürgermeister im Hungerwinter 1846/47 in Weyerbusch den "Verein für Selbst-Beschaffung von Brot und Früchten". Mit Hilfe privater Spenden ließ er Mehl kaufen. In einem selbsterbauten Backhaus wurde Brot gebacken, das auf Vorschuss an die Bedürftigen verteilt wurde. Der Brotverein sowie der 1849 gegründete Flammersfelder Hilfsverein und der Heddesdorfer Wohltätigkeitsverein von 1854 waren vorgenossenschaftliche Zusammenschlüsse auf caritativer Grundlage.

Nachdem Raiffeisen erkannt hatte, dass auf Dauer eine erfolgreiche Arbeit nur durch gemeinschaftliche Selbsthilfe wirksam sein konnte, gründete er 1864 den Wohltätigkeitsverein in den Heddesdorfer Darlehnskassen-Verein um. Das war die erste ländliche Genossenschaft.
Im Laufe der Jahre und Jahrzehnte entwickelte sich auf der Grundlage der Ideen von Raiffeisen eine bis heute leistungsfähige und für die Landwirtschaft unentbehrliche Raiffeisen-Organisation.

Das Werk 
Auf der Basis der genossenschaftlichen Grundprinzipien "Selbsthilfe, Selbstverantwortung und Selbstverwaltung" entstanden in schneller Folge weitere Genossenschaften unter Raiffeisens Mitwirkung. Die Darlehnskassen-Vereine übernahmen den Geldverkehr und führten das landwirtschaftliche Warengeschäft in besonderen Abteilungen durch.
Schon wenige Jahre nach Gründung der ersten Genossenschaften, errichtete der Landwirtschaftliche Verein für Rheinpreußen unter Raiffeisen als Direktor die erste zentrale Einrichtung zur Betreuung der Genossenschaften auf regionaler Ebene. Bereits 1877 entstand der "Anwaltschaftsverband ländlicher Genossenschaften" als erster Spitzenverband der ländlichen Genossenschaften.